Emeritus für Hebräisch und Bibelkunde
Pfarrer Helmut Dietzfelbinger
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Der Dozent

- Helmut Dietzfelbinger
An der AHS wird der Unterricht in Hebräisch von einem Theologen
mit erstem und zweitem kirchlichen Examen erteilt, der auf eine
langjährige Unterrichtspraxis zurückblicken kann. Zu Beginn
seiner Tätigkeit an der AHS hat er das Große Hebraicum
abgelegt, eine Prüfung, die ihn zum Unterrichten von Hebräisch
im Hochschulbereich qualifiziert:
- geb. am 28. 12. 1939
- Studium der Theologie in Neuendettelsau, Heidelberg, Göttingen und Erlangen
- 1965/66 Vikar in Schwabach
- 1966-1973 Dozent am Missions- und Diasporaseminar in Neuendettelsau
- 1973-1985 Dozent am Seminar für Spätberufene (Pfarrer) in Neuendettelsau
- seit 1985 an der AHS
Zum Arbeitsbereich des Hebräischdozenten gehört außer dem Sprachkursangebot das Abhalten von hebräischer Lektüre, vom hebräischen Repetitorium für Examenskandidaten/Examenskandidatinnen sowie von Bibelkunde für Studienanfänger (im Wintersemester Altes Testament, im Sommersemester Neues Testament). Außerdem beteilig er sich an dem Turnus der Andachten und Gottesdienste, die von den theologischen Lehrern an der AHS regelmäßig gehalten werden. Schließlich ist er in manchen Gremien und Ausschüssen aktiv (z.B. im Vorstand der "Gesellschaft der Freunde der Augustana-Hochschule e.V.").
Der hebräische Sprachkurs
Der Kursaufbau
Wir schlagen vor, Hebräisch erst nach Latein und Griechisch zu lernen. Zwar ist das Hebräische eine semitische und damit nicht indogermanische Sprache, die weithin anderen Gesetzen folgt als das Lateinische und das Griechische. Aber die satzgrammatischen Grundbegriffe und Denkkategorien sind die gleichen und müssen im Hebräischunterricht vorausgesetzt werden, denn für ihn steht nur ein Semesterkurs oder nur ein Feriensprachkurs zur Verfügung.
Der Unterricht in Hebräisch beginnt mit der Einführung in das hebräische Alphabet. Der weitere Kursverlauf folgt einem Grammatikbuch, das der Dozent eigens für die Kurse an der AHS verfaßt hat und das den Stoff in einer genau auf den engen zeitlichen Rahmen abgestimmten Form darbietet. Nach der guten Hälfte einer Kurses muß der grammatische Stoff im wesentlichen abgeschlossen sein, vom ersten Buchstaben des Alphabets bis zu den Feinheiten des unregelmäßigen Verbums und den wichtigsten Elementen der Syntax. Es soll ja noch genügend Zeit bleiben für die Lektüre von Testen aus der Biblia Hebraica, die dem zweiten Teil des Kurses vorbehalten ist.
Trotz dieser grundsätzlichen Zweiteilung - erst Grammatik, dann Lektüre im hebräischen Alten Testament - wird bei uns schon in der Grammatikphase täglich mit einem Textbuch gearbeitet, das für jede Grammatiklektion passende Kurztexte oder Verszeilen aus der Biblia Hebraica im Original enthält. Dieses Textbuch hat der Dozent als Begleitbuch zu seiner Grammatik zusammengestellt: Es soll die Studierenden nicht nur auf die Lektürezeit einstimmen, sondern ihnen praktisch Welt- und Menschenverständnis bieten, das sich von unseren abendländischen Lebens- und Denkgewohnheiten erheblich unterscheidet. Beispiel: Das hebräische Wort awon bedeutet "Sünde" und "Strafe", eine Vokabel für zwei ganz verschiedene Dinge! Doch der hebräische Mensch ist davon überzeugt, daß in jeder bösen Tat die Strafe dafür schon mitgesetzt ist, so u.a. Richter 9, 53-57.
Im Grammatikteil gilt die Devise: Möglichst wenig Zeit für die monologische Lehrerdarbietung des Stoffes verwenden und möglichst viel für seine gemeinsame Einübung im Unterricht! Darum bekommt der Kurs täglich das jeweils nächste Grammatikstück, das noch nicht behandelt ist, zur Vorbereitung auf. Damit kann der Dozent in der folgenden Stunde auf das ausführliche Referieren dieses Stoffes verzichten; es genügt, wenn er das Vorbereitete zusammenfaßt, durch zusätzliche Informationen ergänzt oder deutlicher akzentuiert und sich vor allem den Fragen der Studierenden dazu widmet. Diese Schritte dauern für gewöhnlich nicht lang und lassen relativ viel Zeit für das praktische Einüben des Besprochenen, das außer durch das Textbuch mit Hilfe einer zusätzlich erstellten Formensammlung geschieht.
Im Lektüre-Teil werden mittelschwere Prosatexte aus dem hebräischen Alten Testament gelesen und übersetzt, z.B. aus dem ersten Buch Mose oder aus dem Propheten Jeremia. Diese Texte sind länger und liegen im Schwierigkeitsniveau über denen vom Textbuch. Bei ihrer Behandlung ruht das Hauptgewicht auf der Syntax und den unregelmäßigen Verbformen, denn beides ist für die Prüfung besonders wichtig. Daneben bleibt noch Zeit für exegetische und theologische Fragen, die sich aus den Lektüretexten ergeben, z.B.: Warum kann der alten Isaak seinen Segen nur einmal vergeben, an Jakob, und nicht auch noch an Esau, dem er von Rechts wegen zusteht? (1. Mose 27,1839) Welches Verständnis von "Segen" (hebr. böracha) steht dahinter und wie verhält es sich zu dem, was wir heute unter "Segen" verstehen?
Parallel zur sprachlichen und inhaltlichen Erschließung der Lektüretexte werden zwei bis drei Klausuren geschrieben (die sog. Probe-Hebraica), weil dies den Kursteilnehmern/Kursteilnehmerinnen eine realistische Einschätzung ihres eigenen Leistungsstandes ermöglicht und somit die beste Vorbereitung auf die Prüfung ist. Als Probe.Hebraica werden unbekannte Texte aus dem Alten Testament vorgelegt, die in etwa die Schwierigkeit des schriftlichen Hebraicums haben.
Das Tutorium
Das (Hebräisch-)Tutorium ist eine unterstützende und ergänzende Veranstaltung zum hebräischen Sprachkurs, die ein-bis zweimal pro Woche während des laufenden Kurses angeboten wird. Die Leitung des Tutoriums hat ein Studierender/eine Studierende der AHS, der/die das Hebraicum schon abgelegt hat und über so viel sprechliche und methodische Kompetenz verfügt, daß er/sie diese Aufgaber als Tutor/Tutorin wahrnehmen kann.
Die Teilnahme am (Hebräisch-)Tutorium ist nicht verpflichtend. Doch melden sich in der Regel alle Kursteilnehmer/Kursteilnehmerinnen freiwillig dazu, weil sie hier den Stoff, der vorher im unterricht behandelt wurde, auf vielfältige Weise nacharbeiten und vertiefen können. Vor allem haben sie die Möglichkeit,
- zu den Punkten der Grammatik Fragen zu stellen, an denen sie sich noch unsicher fühlen;
- an dieser oder jener Stelle der Grammatik nachzubohren, die sie genauer interessiert;
- sich den bisher behandelten Grammatikstoff abfragen zu lassen: teils mündlich durch den Tutor/die Tutorin, teils schriftlich durch ausgearbeitete Tests, die er/sie den Studierenden vorlegt;
- die bis jetzt anfallenden Lernvokabeln zu wiederholen und evtl. Wissenslücken, die sie hier haben, aufzufüllen;
- zusätzliche Texte aus dem hebräischen Alten Testament zu übersetzen, über die Texte hinaus, die im Sprachkurs behandelt werden.
An den Tutor/die Tutorin werden also wissensmäßig und didaktisch hohe Anforderungen gestellt. Der Dozent spricht mit ihm/ihr regelmäßig ab, wie weit er jeweils mit dem Stoff gekommen ist und wo er Bedarf an Nacharbeit sieht.
Der Workshop
Jedem Hebräischkurs wird außer dem Tutorium noch ein Workshop angeboten, der ein paar Tage vor der Prüfung stattfindet. Er wird von einem/einer (ehemaligen) Studierenden geleitet, der/die Erfahrung imn Hebräischen hat. Solch ein Workshop dauert 1 ¸ Tage und er besteht aus einem hebräischen Intensivtag sowie einer Generalprobe der mündlichen Prüfung.
Am hebräischen Intensivtag wird von morgens bis abends der gesamte Grammatikstoff wiederholt, der im Lauf des zurückliegenden Kurses behandelt wurde. Hauptpunkte dieser Wiederholutn sind das Nomen, das Verbum (besonders das unregelmäßige) und die Syntax. Aber auch die elementaren Dinge der hebräischen Schrift, die Präpositionen, die Pronomina und die kleinen Partikel kommen nicht zu kurs. Diese sieben Hauptgebiete der hebräischen Grammatik werden zum Teil der Sache nach durchgesprochen, zum Teil an kleinen Abschnitten aus der Biblia Hebraica dargeboten und illustriert. Am Schluß dieses anstrengenden Tages wird noch einmal ein hebräischer Bibeltext vorgelegt, der mehreres zusammenfaßt und veranschaulicht, was an diesem Tag wiederholt wurde.
Gleich am folgenden Tag findet vormittags oder nachmittags die Generalprobe der mündlichen Prüfung statt. Mit allen Studierenden des Kurses, die das wollen, simuliert der Leiter/die Leiterin des Workshops das mündliche Hebraicum und übt mit jedem/jeder einzeln die Schritte dieser prüfung für den "Ernstfall" ein: erst die Auslosung, dann die stille Vorbereitung des Textes und schließlich dessen Bearbeitung vor der Prüfungskommission (Näheres dazu im folgenden Abschnitt: Die Prüfung). Ist die Genralprobe beendet, dann erfährt der/die "Geprüfte" auch die Note, die er/sie für diese mündliche Leistung bekommen hätte. Darüber hinaus spricht der Leiter/die Leiterin mit jedem/jeder Studierenden ausführlich über die Eindrücke von dieser Probeprüfung und gibt, wenn nötig, Tips für ein besseres Prüfungsverhalten. Schon vielen Studierenden hat die Simulation des Mündlichen dazu verholfen, mit weniger Aufregung in die wirkliche Prüfung hineinzugehen und sie mit einem besseren Ergebnis abzuschließen, als wenn sie dieses Training nicht gehabt hätten (zum Workshop für Examenskandidaten/Examenskandidatinnen s.u. den Abschnitt: Hebräisches Repetitorium).
Die Prüfung
Die Prüfung gliedert sich in das schrifliche und das mündliche Hebraicum; beide zählen gleich viel. In der schriftlichen Prüfung muß in vier Stunden ein mittelschwerer Prosatext von 13 bis 15 Druckzeilen aus der Biblia Hebraica Stuttgartensia, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart, übersetzt werden. Dabei ist die Benutzung eines Wörterbuchs erlaubt (z.Zt. des Lexikons von Wilhelm Gesenius). Die Erstkorrektur dieser Arbeit übernimmt der Kursleiter, die Zweitkorrektur der Assistent/die Assistentin für Altes Testament.
In der mündlichen Prüfung, die drei bis vier Tage später stattfindet, hat der Professor für Altes Testament den Vorsitz (z.Zt. Prof. Utzschneider). Geprüft werden die Kandidaten/Kandidatinnen jedoch von ihrem Kursleiter, mit dessen Sprache sie während des Kurses vertraut geworden sind. Der Assistent/die Assistentin schreibt das Protokoll. Zu Beginn erlosen die Kandidaten/Kandidatinnen jeweils aus seinem Pool, den der Prüfer zusammengestellt hat, eine unbekannte Prosastelle aus dem Alten Testament. Diese Stelle bereiten die Kandidaten/Kandidatinnen zunächst 15 Minuten lang still vor, unter Aufsicht und ohne Wörterbuch, ehe sie ihs Prüfungszimmer gerufen werden. Dort wird die gleiche Stelle vor der Prüfungskommission gelesen, übersetzt und sorgfältig grammatikalisch analysiert, wie es vorher im Kurs immer wieder geübt worden ist. Die Kandidaten/Kandidatinnen bekommen im Anschluß an die mündliche Prüfung die Ergebnisse der schriftlichen und mündlichen Prüfung mitgeteilt und erhalten ihre Hebraicumszeugnisse. Unser Hebraicumszeugnis ist gültig für alle Abschlüsse bis hin zur Promotion und Habilitation an allen Kirchlichen Hochschulen und theologischen Fakultäten.
Probeklausuren
Als Probeklausuren haben wir 20
Klausuren der letzten Jahre als Download
bereitgestellt. (geordnet
nach der Reihenfolge der Bibelstellen; PDF, 665 KB)
Die hebräische Lektüre
Die hebräische Lektüre ist für Studierende bestimmt, die das Hebraicum schon abgelegt haben. Hier lesen wir ausgewählte Texte der Biblia Hebraica und übersetzen sie. Anders als im Sprachkurs werden in der Lektüre nicht nur Prosatexte, sondern auch poetische Texte aus der hebräischen Bibel behandelt, die ungleich schwieriger sind, dafür aber auch ihren eigenen Reiz haben.
Für gewöhnlich nehmen wir uns fünf bis sechs überschaubare Texteinheiten pro Semester vor. Welche das sind, entscheidet der Dozent nicht allein, sondern er berücksichtigt dabei weitgehend die Textwünsche, die die TeilnehmerInnen in der ersten Stunde äußern. Gelesen wurden bisher z.B.:
Prosa:- Stücke aus der Urgeschichte (aus 1. Mose 111)
- Stücke aus der Josefsgeschichte (aus 1. Mose 3750)
- Stücke aus der Simongeschichte (aus Richter 1316)
- Stücke aus dem Gesprächsteil des Buches Hiob (aus Hi 341)
- ausgewählte Psalmen
- Stücke aus dem Hohenlied
Ein besonderer Vorzug dieser Lehrveranstaltung liegt darin, daß
sie nicht unter Zeitdruck steht. Da am Ende der hebräischen
Lektüre keine Prüfung stattfindet, bleibt genügend
Zeit für exegetische Beobachtungen an den Texten oder für
theologische Überlegungen, zu denen sie anregen.
Beispiel: Der Prophet Jeremia und der Prophet Hananja liefern sich
ein Duell. Der eine prophezeit für die nahe Zukunft das Gegenteil
vom anderen. Beide fangen ihre Rede an mit den Worten: "So
spricht Jahwe:
" (hebräisch: ko amar jawä:
)
und erheben damit den Anspruch, Gottes Wort zu verkündigen
(Jer 28,117). Wie sollten die ZuhörerInnen damals erkennen,
wer die Wahrheit und wer die Unwahrheit sprach? Beide behaupteten
ja, im Namen Gottes zu sprechen! Und welche Kriterien haben wir
heute, um wahre Predigt von falscher zu unterscheiden??
So ist es ein wesentliches Ziel der hebräischen Lektüre,
daß sie den TeilnehmerInnen Spaß macht und sie dazu
motiviert, auch nach dem Ende dieser Veranstaltung das Hebräische
weiter zu pflegen.
Das hebräische Repetitorium (mit Workshop)
Das hebräische Repetitorium findet an der AHS einmal im Jahr statt, jeweils im Sommersemester. Es ist ein Angebot für Studierende, die sich auf das erste theologische Examen vorbereiten. Nicht wenige stellen fest, wenn ihnen diese Prüfung näherrückt, daß sie seit ihrem Hebraicum nicht ausreichend Hebräisch betrieben haben und daß ihre Kenntnisse in dieser Sprache lückenhaft geworden sind. Bis zum Examen müssen diese Lücken aber geschlossen werden, denn in den Prüfungsfach Altes Testament ist sowohl schriftlich als auch mündlich ein hebräischer Text zu bearbeiten. Darum begrüßen die Studierenden das Repetitorium als eine Lehrveranstaltung, in der sie die hebräische Grammatik wieder auffrischen und ihre Übersetzungskompetenz steigern können.
Für KandidatInnen, die im Hebräischen stark aus der Übung gekommen sind, wurde zusätzlich an der AHS ein Hebräisch-Workshop eingerichtet, der etwa drei Wochen vor dem Repetitorium stattfindet und einen Tag dauert. Dieser Workshop wird von einem/einer im Hebräischen erfahrenen (ehemaligen) Studierenden geleitet. Die TeilnehmerInnen können hier mit den elementarsten Regeln der hebräischen Grammatik wieder vertraut werden und das Übersetzen eines Textes wieder üben. Die Erfahrung zeigt, daß die meisten, die diesen Workshop besucht haben, danach gut motiviert und vorbereitet sind für das hebräische Repetitorium.
Die gleichen Ziele wie der Workshop verfolgt auch das Repetitorium selbst. Doch kann in dieser Veranstaltung gründlicher gearbeitet werden, weil sie in der Regel zehn Doppelstunden umfaßt, die über das ganze (Sommer-)Semester verteilt sind. Damit steht den TeilnehmerInnen von einer Repetitoriumssitzung zur nächsten jeweils eine Zwischenpause zur Verfügung, in der sie den besprochenen Stoff nacharbeiten und neuen vorbereiten können.
Jede Doppelstunde des Repetitoriums ist zweigeteilt. In der ersten Hälfte wird ein größerer Punkt aus der Grammatik behandelt, z.B. das hebräischen Partizip. Nach einer kurzen Pause übersetzen wir in der zweiten Hälfte je einen Textabschnitt aus der Biblia Hebraica, dessen Schwierigkeiten sich im Lauf der Veranstaltung steigert.
Diese Zweiteilung ist auch eine methodische: Während der Dozent in der ersten Hälfte der Sitzung streng systematisch vorgeht und mit den Studierenden ein Gebiet der Grammatik nach dem anderen bearbeitet, verläuft der zweite Teil bewußt "unsystematisch", da ein lebndiger Text niemals bloß ein oder zwei Sachgebiete aus der Grammatik enthält, sondern im Prinzip alle auf einmal! Das heißt, man muß von einem Punkt der Grammatik zum anderen "springen", bis alles durchgesprochen ist, was speziell dieser Text fordert.
Von den zehn Grammatik-Einheiten sind allein sechs dem hebräischen Verbum gewidmet. Denn das regelmäßige Verbum (drei Sitzungen) und das unregelmäßige (drei Sitzungen) sind zusammen das Schwierigste, aber auch das Lohnendste an der hebräischen Sprache. Das Verbum ist die "Seele" des Hebräischen! Die übrigen vier Einheiten konzentrieren sich auf Gebiete, die außer dem Verbum noch wichtig sind.
Für die zehn Text-Einheiten sind solche Abschnitte aus der Biblica Hebraica herausgesucht, die schon einmal Übersetzungstext in einer alttestamentlichen Examensklausur gewesen sind. Auf diese Weise können sich die Studierenden am besten an das Niveau der Examenstexte gewöhnen.
Bibelkunde
Der Unterricht
An der AHS wird der Unterricht in Bibelkunde vom Hebräisch-Dozenten gehalten, der auch in diesem Fach auf eine lange Unterscheidungspraxis zurückblicken kann. Im Wintersemester ist jeweils die Bibelkunde des Alten Testaments, im Sommersemester die des Neuen Testaments an der Reihe. Beide Teile der Bibelkunde sind ausdrücklich für StudienanfängerInnen bestimmt, d.h. für diese Lehrveranstaltung werden weder sprachliche Vorkenntnisse (in Latein, Griechisch oder Hebräisch) noch theologische Vorbildung (in Exegese oder Systematischer Theologie) erwartet. Theologische Fachausdrücke werden grundsätzlich übersetzt und erklärt, wenn sie das erste Mal vorkommen.
Wichtigstes Ziel der Bibelkunde ist bei uns, die Studierenden auf die Bibel neugierig zu machen, so daß sie Lust bekommen, von sich aus in das eine oder andere biblische Buch tiefer einzudringen, als es in dieser Überblicksveranstaltung möglich ist. Um das zu erreichen, lautet unsere Devise: "So viel Anschauung wie möglich und so viel Wissensstoff wie nötig!" Leider folgen fast alle bibelkundlichen Werke, die auf dem Büchermarkt angeboten werden, dem entgegengesetzten Grundsatz: "So viel Wissensstoff wie möglich und so viel Anschauung wie nötig!" Oder sollte man noch pointierter formulieren: "So viel Wissensstoff wie möglich und so wenig Anschauung wie möglich!"?? Gerade bei den neueren und neuesten Bibelkunde-Werken fällt auf, was für ein Übergewicht an unansschaulichen Stoff-Zusammenstellungen sie haben. Ein Beispiel:
Die Bibelkunde des Neuen Testaments von Helmut Merkel, Gütersloh 1982, bringt auf S. 58f eine Übersicht über die Abschnitte, die sich nur bei Lukas finden und sonst in keinem Evangelium. Oder mit anderen Worten: eine Zusammenstellung des lukanischen Sonderguts. In dieser Liste werden nicht weniger als 46 (!) Stellenangaben aus dem Lukasevangelium aneinandergereiht, die jeweils nur mit einer kargen Überschrift versehen sind, aus denen man Spärliches oder gar nichts über ihren Inhalt erfährt. Hier ist doch ernstlich zu fragen, welchen Sinn solche Auflistungen haben sollen, von denen dieses Buch (wie viele anderen Bibelkunden) übervoll ist! Sollen die Studierenden alle diese Belege in der Bibel nachschlagen und durchlesen, um eine Vorstellung von dem zu bekommen, was die enthalten! Oder sind sie gar zum Auswengiglernen bestimmt? Das wäre vollends unzumutbar und würde abgesehen davon nicht dazu führen, daß man sich in der Bibel besser auskennt.
Demgegenüber ist der Bibelkundeunterricht an der AHS darauf aus, neben dem Aufriß der Inhalte theologische Grundlinien aufzuzeigen, die sich durch ganze Bibelteile (z.B. die fünf Bücher Mose) oder durch biblische Bücher (z.B. das erste Buch Mose) oder durch Unterteile von Büchern (z.B. die Erzvätergeschichten im ersten Buch Mose) hindurchziehen. Diese "roten Fäden" werden exemplarisch an ausgewählten Belegstellen konkretisiert, und zwar so, daß der Dozent die Belegstellen aufschlagen läßt oder mit seinen eigenen Worten wiedergibt. Letzteres tut er gerne dann, wenn es sich um eine erzählende Partie handelt, z.B. die Josefsgeschichte (1. Mose 3750).
Ein solches Vorgehen fordert nach unserer Erfahrung die Studierenden zu einer eigenständig fragenden Auseinandersetzung mit der Bibel heraus. Merkstoff für die Prüfung sind dann in erster Linie die so behandelten Abschnitte, Kapitel oder Verse, was sinnvoll und zumutbar ist, da die Studierenden jetzt nicht nur ein lebendiges Bild von ihnen haben, sondern sie auch theologisch einordnen können. Dafür je ein Beispiel aus dem Alten und aus dem Neuen Testament:
- Die Erzvätergeschichte (1. Mose 1250) ist von vier Verheißungen durchzogen: von der Landverheiß8ng, von der Sohnverheißung, von der Volkverheißung und von der Verheißung, daß Gott die Erzväter überallhin begleiten wird. Diese vier Versprechungen Gottes werden in ihrer Bedeutung entfaltet und dann mit Einzelerzählungen der Erzvätergeschichte verbunden, in denen sie eine besondere Rolle spielen. So erscheint etwa die Szene, in der Abraham seinen Sohn Isaak opfern soll (1. Mose 22,119) als eine nachträgliche Gefährdung der (in Isaak) schon erfüllten Sohnverheißung Was sich aus all diesen Verknüpfungen an Stellenmaterial ergibt, ist dann der Lernstoff für die Erzvätergeschichte, abgesehen von ihrem groben Aufbau und ihrem Gesamtverlauf.
- Das ganze Markusevangelium ist theologisch durch das Messiasgeheimnis bestimmt: Jesus verbietet immer wieder, von ihm und seinen Wundern etwas weiterzuerzählen. Darum wird die Behandlung dieses Evangeliums auf die Frage angelegt, wo sich in ihm das Messiasgeheimnis zum ersten Mal findet, wie es sich hier weiterentwickelt und wie es sogar noch auf die Berichte des Markus über den Tod und die Auferstehung Jesu Einfluß nimmt. Alle Kapitel oder kleineren Abschnitte, die wir bei dieser Untersuchung genauer betrachten oder wenigstens streifen, sind dann Lernstoff für dieses Evangelium. Darüber hinaus ist noch der grobe Aufriß zu kennen, den Markus mit Matthäus und Lukas gemeinsam hat.
Die Prüfung
Seit der Einführung der (bayrischen) Zwischenprüfungsordnung (ZPO) am 1.12.1997 ist jede(r) Studierende verpflichtet, eine Bibelkundeprüfung abzulegen. Diese gehört laut § 7,7 der ZPO zu den Zulassungsvoraussetzungen für die Zwischenprüfung. Dabei steht es den Studierenden frei, sich in der Bibelkunde des Alten oder des Neuen Testaments prüfen zu lassen.
Die Prüfung in Bibelkunde ist schriftlich und dauert drei Stunden. Für das Alte Testament findet sie zu Beginn des Sommersemesters, für das Neue Testament am Anfang des Wintersemesters statt. Die Prüfungsfragen können sich auf alle Teile des einen bzw. des anderen Testaments erstrecken, unter den theologischen Leitlinien, die vorher im Unterricht eine Rolle spielten (s.o.). Man sollte also vor allem den Stoff durcharbeiten, der im Unterricht behandelt wurde, aber zusätzlich noch ein Buch über Bibelkunde studieren (nicht lernen!), damit die im Unterricht vermittelte Sichtweise durch eine andere ergänzt und erweitert wird. Geeignet für diesen Zweck ist am ehesten Claus Westermann, Abriß der Bibelkunde (Altes und Neues Testament), 13. Aufl. 1991. Zwar bietet auch dieses Werk eine Fülle von Stoff an, die weit über das Maß hinausgeht, das wir für vertretbar halten, aber es stellt trotzdem die übergreifenden Zusammenhänge klar heraus und steht in dieser Hinsicht unserem Bibelkundekonzept nah. Darum werden die Studierenden dieses materialreiche Buch sicherlich so lesen können, daß sich ihnen die großen theologischen Linien in der Bibel genauer ausdifferenzieren.
Kontakt
Helmut Dietzfelbinger, Pfarrer
Kreuzlach 22a
91564 Neuendettelsau
Tel. 09874/5261
E-Mail: Pfarrer Helmut
Dietzfelbinger: andrea.siebert@t-online
.de