Geschichte
- Modell Bethel |
- Spiritus rector Georg Merz |
- Matrix Pastoralkolleg |
- Erste Jahre |
- Campus-Hochschule |
- Aufbau der inneren Ordnung |
- Ära Andersen |
- Wechselrektorat |
- Ausbau von Forschung und Lehre |
- Ehrenpromotionen
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Die Geschichte der Augustana-Hochschule
1. Das Modell: die "Theologische Schule" in Bethel
Die deutschen evangelischen Landeskirchen haben sich erst relativ spät dafür interessiert, die akademische Ausbildung ihrer Pfarrerinnen und Pfarrer in die eigene Hand zu nehmen. Während die philosophisch-theologischen Seminare der römisch-katholischen Kirche schon auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken können, sind die evangelischen Hochschulen in Bethel, Wuppertal, Neuendettelsau oder auch Oberursel allesamt ,Kinder des 20. Jahrhunderts'. Seit den Tagen der Reformation wurden die evangelischen Geistlichen an den staatlichen Universitäten ausgebildet, und das landesherrliche Kirchenregiment hat die enge Verbindung von Kirche und Staat auch im Bereich der theologischen Ausbildung als unproblematisch, ja selbstverständlich erscheinen lassen. Diese Situation hat sich seit 1900 grundlegend geändert.

- Verlesung der Confessio Augustana vor Kaiser Karl V. auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 (Kupferstich von 1698 im Besitz der Hochschule)
Es war Friedrich von Bodelschwingh d.Ä., der den Gedanken einer vom Staat unabhängigen theologischen Ausbildungsstätte in die Tat umsetzte und 1905 in Bethel bei Bielefeld die erste theologische Hochschule in kirchlicher Trägerschaft gründete. Die staatliche Monopolstellung in der akademischen Theologenausbildung war damit durchbrochen. Friedrich von Bodelschwingh dachte sich die "Theologische Schule", wie sie genannt wurde, vor allem als Ergänzung zu den staatlichen Fakultäten. In Bethel sollte den Theologiestudenten ein bibelzentriertes Studium ermöglicht werden, das zum kirchlichen Dienst in Verkündigung und Lehre, Diakonie und Mission befähigte. Ihm ging es vor allem um die "Einheit von theologischem Forschen und kirchlichem Handeln". Die Dozenten sollten deshalb in der pfarramtlichen Praxis erfahren sein und sich am Gemeindedienst ,vor Ort' in Predigt, Katechese und Seelsorge beteiligen. In brüderlicher Lehr- und Lerngemeinschaft sollten sie die Studenten zu selbständiger Arbeit anleiten und ihnen den kirchlichen Dienst vorleben.
Die attraktive Verbindung von Theologie und Praxis zog zahlreiche Studenten nach Bethel und regte auch in anderen Landeskirchen Überlegungen zur Einrichtung ähnlicher Hochschulen an.
2. Der Spiritus rector: Georg Merz

- Georg Merz
Beeindruckt von den Vorgängen in Bethel, fasste der Rektor der Neuendettelsauer Diakonissenanstalt, Hermann Bezzel, 1907 den Plan, in Wilhelm Löhes diakonisches Werk ein theologisches Seminar bzw. eine kirchliche Hochschule einzufügen. Wenn auch damals eine entsprechende Einrichtung in Neuendettelsau nicht verwirklicht werden konnte, so blieb doch das Vorbild Bethel für die Folgezeit von Bedeutung, zumal der erste Rektor und eigentliche Begründer der Augustana-Hochschule, Georg Merz, von 1930-39 zunächst Dozent, dann Leiter der Theologischen Schule in Bethel gewesen war.
Georg Merz hatte bereits Mitte der 30er Jahre damit begonnen, ein eigenständiges theologisches Ausbildungskonzept zu entwickeln, das wesentliche Gesichtspunkte des Bodelschwinghschen Programms übernahm, schließlich aber auch mit der Verbindung von Pfarrer-ausbildung und Pfarrerfortbildung in charakteristischer Weise darüber hinausging. Sein Anliegen war es, zukünftigen wie amtierenden Theologen die Möglichkeit zu eröffnen, neben der akademischen universitas litterarum auch die universitas ecclesiae, d.h. die Kirche in ihren Wesensäußerungen von Gottesdienst, Diakonie und Mission, unmittelbar kennenzulernen. Theologische Aus- wie Weiterbildung sollten im Kontext einer Kirchengemeinde und deren gottesdienstlichem, diakonischem und missionarischem Leben erfolgen, in ihnen sollten Denken und Glauben, praxis pietatis und kritische Reflexion, wissenschaftliche Forschung und das Lernen in den geistlichen Handlungsfeldern der Gemeinde zu einer Einheit verbunden sein. Georg Merz wünschte sich ein gemeinsames Leben von Dozenten und Studenten beider Bildungsphasen in einer geistlichen und akademischen vita communis. Wie Friedrich von Bodelschwingh so verstand auch er die kirchliche Ausbildung als Ergänzung, nicht als Konkurrenz zur bestehenden universitären Theologenausbildung.
Die Erfahrungen des Kirchenkampfes zur Zeit des "Dritten Reiches" bestärkten Georg Merz in seiner Überzeugung von der Existenzberechtigung kirchlicher Hochschulen. Die theologischen Fakultäten waren, wie sich bald nach der Machtergreifung Adolf Hitlers herausstellte, der nationalsozialistischen Infiltration und Steuerung gegenüber deutlich anfälliger als die kirchlichen Hochschulen, die sich in jenen Jahren zu einer echten Ausbildungsalternative für die Bekennende Kirche entwickelten. Deshalb drängte Georg Merz schon 1935 in einem Gespräch mit dem bayerischen Landesbischof Hans Meiser und einigen anderen Theologen darauf, dass das Universitätsstudium der zukünftigen Pfarrer durch eine von staatlichem Einfluß freie kirchliche Ausbildung ergänzt werden müsse.
3. Die Matrix: das Pastoralkolleg

- Studierende der ersten Jahre
Es vergingen allerdings noch zehn Jahre, bis diese Gedanken praktisch umgesetzt werden konnten. Nach einer kurzen Zeit als Leiter des Katechetischen Amtes der westfälischen Kirche kehrte Merz 1942 nach Bayern zurück, um sein neues Amt als Dekan von Würzburg anzutreten. Im Herbst 1945 beauftragte ihn dann die bayerische Kirchenleitung, Kurse für Pfarrer einzurichten, die aus dem Krieg heimgekehrt waren und nun – nach oft traumatischen Erlebnissen – ihren geistlichen Beruf wiederaufnehmen wollten. Georg Merz aber verband mit diesem Auftrag zur Pfarrerfortbildung von Anfang an auch die Hoffnung, seine Pläne zur Pfarrerausbildung verwirklichen zu können.
Neuendettelsau erschien ihm dazu als idealer Ort. Hier waren die von Wilhelm Löhe begründete Diakonissenanstalt und Missions-anstalt zu Hause. Hier gab es eine Gemeinde, die die Werke der Diakonie, Mission und Liturgie pflegte. In ihr konnten die angehenden Theologen die zentralen gemeindlichen Handlungsfelder und Lebensäußerungen kennenlernen und die durch den Krieg vom Dienst entfremdeten Pfarrer wieder neu darin beheimatet werden.
Bereits ab Oktober 1945 fanden in der Diakonissenanstalt die ersten Kurse für die ,geistlichen Kriegsheimkehrer' statt. Das war der Anfang des heutigen Pastoralkollegs in Neuendettelsau, der ersten Einrichtung dieser Art in Deutschland überhaupt, der bald ähnliche Gründungen in anderen Landeskirchen folgten.
Ein halbes Jahr später begann der erste Kurs für Theologiestudenten zur Vorbereitung auf das geistliche Amt. War dieser Kurs von seinem zeitlichen Umfang und von seiner Anlage her noch kaum mit einem akademischen Kolleg vergleichbar, so zeigt sich doch in der Öffnung des Pastoralkollegs für Theologiestudenten, in welche Richtung Georg Merz dachte und arbeitete. Sein Ziel war es, in Neuendettelsau eine eigene theologische Ausbildungsstätte zu errichten. Spätestens seit dem Herbst 1946 unterstützten auch Landesbischof Hans Meiser und Oberkirchenrat Wilhelm Bogner diesen Plan.
4. Der Anfang in Neuendettelsau und Heilsbronn

- Die 'Riminesen'
Unerwarteter studentischer Zuwachs und neue rechtliche Rahmenbedingungen erleichterten die Umsetzung des Vorhabens. Am 2. Dezember 1946 wurde die neue Verfassung des Freistaates Bayern angenommen, deren Artikel 150 Absatz 1 bestimmte: "Die Kirchen haben das Recht, ihre Geistlichen auf eigenen kirchlichen Hochschulen auszubilden und fortzubilden." Zur gleichen Zeit fand eine Gruppe von ca. 25 heimkehrenden Kriegsgefangenen aus dem Theologischen Lager-Seminar in Rimini Aufnahme in der bayerischen Landeskirche und wurde von Landesbischof Hans Meiser an Georg Merz in Neuendettelsau verwiesen. Die Studenten konnte man nun nicht mehr allein in der Diakonissenanstalt unterbringen. So bezogen einige von ihnen Räumlichkeiten des ehemaligen Zisterzienserklosters im benachbarten Heilsbronn. Der Kursbetrieb wurde entsprechend auf die beiden Studienorte verteilt.
Inzwischen hatte die Synode der Evang.-Luth. Kirche in Bayern am 7. Mai das "Kirchengesetz über die Errichtung einer Theologischen Hochschule in Neuendettelsau-Heilsbronn" beschlossen. Der Name "Augustana-Hochschule" wurde im Gedenken an das auf dem Reichstag zu Augsburg am 25. Juni 1530 abgelegte lutherische Bekenntnis ("Confessio Augustana") gewählt. Damit war die erste kirchliche Hochschule gegründet, deren Status von Beginn an durch Kirchen- und Staatsgesetz geregelt war.
Mit einem Festgottesdienst in der Neuendettelsauer St. Laurentiuskirche wurde die Augustana-Hochschule dann am 10. Dezember 1947 feierlich eröffnet. Landesbischof Hans Meiser hielt die Festpredigt und führte die hauptamtlichen Dozenten ein: Ernst Kinder (Systematische Theologie, Philosophie) und Rudolf Stählin (Neues Testament, Alte Kirchengeschichte, Liturgik). Georg Merz (Praktische Theologie, Enzyklopädie, Neuere Kirchengeschichte), der bereits das Pastoralkolleg leitete, wurde damals auch zum Rektor der neuen Hochschule ernannt. Zum Eröffnungsgedenken wird in jedem Wintersemester der "Augustana-Tag" mit Gottesdienst, Festvorlesung und ,rauschender Ballnacht' gefeiert.
5. Die Campus-Hochschule

- Studierstube der ersten Zeit
Hatte man zunächst mit etwa 50 Studenten gerechnet, so wurde bereits im Sommersemester 1949 mit 116 Studenten die Hundertzahl überschritten. Im darauf folgenden Semester waren es sogar 131 Studenten. Die Diakonissenanstalt überließ daraufhin der jungen Hochschule das Gemeindehaus, in dem nach einem Umbau Wohnraum für über 50 Studenten sowie zwei Hörsäle und ein großer Bibliotheksraum zur Verfügung standen.
Neue Perspektiven eröffneten sich, als die amerikanische Armee das im westlichen Waldgebiet von Neuendettelsau gelegene Gelände der ehemaligen Munitionsfabrik der Wehrmacht ("Muna") für die zivile Nutzung freigab. Durch Verhandlungen mit Bonn und mit kräftiger Unterstützung durch die politische Gemeinde gelang es der Landeskirche, den vorderen Teil des Areals mit den Wohngebäuden für die Hochschule anzumieten und schließlich 1955 zu erwerben.
Schon einige Jahre zuvor begann sich der Unterrichtsbetrieb all-mählich auf das eigene Gelände zu verlagern. Der Standort Heils-bronn wurde 1952 aufgegeben; für das überlassene Gemeindehaus meldete die Diakonissenanstalt Eigenbedarf an. Georg Merz begrüßte die räumliche Konzentration im Blick auf die vita communis, befürch-tete aber gleichzeitig eine schleichende Ablösung von der Diakonie-Gemeinde. Er legte deshalb Wert darauf, dass die Augustana-Hochschule auch von ihrem neuen Domizil aus den geistlichen Kontakt zur Gemeinde und die St. Laurentiuskirche des Diakonie-werkes als 'Hochschulkirche' behielt.
Auf dem erworbenen Muna-Gelände standen der Hochschule nun zahlreiche Räumlichkeiten sowie Neubauflächen zur Verfügung. Nachdem man die ehemaligen Offiziers- und Mannschaftsunterkünfte für die akademische Nutzung umgebaut hatte, errichtete man im Laufe der Zeit mehrere Gebäude mit Wohn-, Seminar-, Bibliotheks- und Wirtschaftsräumen. 1966 wurde eine eigene Kapelle eingeweiht. Einen besonderen architektonischen Akzent setzt seit 1980 der polygonale Bibliotheksanbau mit Lesesaal und Hauptmagazin (Architekt: Busso von Busse). Der Charakter der losen, grünflächendurchsetzten Muna-Bebauung blieb trotz aller Erweiterungsmaßnahmen erhalten und macht bis heute wesentlich das Campus-Flair der Hochschule aus.
6. Die Entwicklung der inneren Ordnung

- Hebräischunterricht
Georg Merz war von 1947 bis 1957 Rektor der Augustana-Hochschule und zugleich des Pastoralkollegs. In dieser Zeit konnte er wesentliche Elemente seiner Konzeption der theologischen Aus- und Weiterbildung in der neuen Hochschule umsetzen: das gemeinsame Wohnen, Essen, Beten, Studieren von Lehrenden und Lernenden; die Verbindung von wissenschaftlicher Ausbildung und der Erfahrung kirchlicher Praxis in diakonischem Einsatz und gottesdienstlicher Feier; die Ausrichtung der theologischen Ausbildung auf das geistliche Amt und den Dienst in der Kirche. Die engen Beziehungen der Hochschule zu Pastoralkolleg, Diakonie und Mission macht die Personal- und Lehrangebotsentwicklung dieser Jahre deutlich: So wurden zwei Lehrkräfte des Pastoralkollegs zu hauptamtlichen Dozenten der Augustana-Hochschule berufen, 1948 Martin Wittenberg (Altes Testament, Liturgik) und 1950 Eduard Ellwein (Neues Testament); der damalige Inspektor des Missionshauses, Georg Vicedom, übernahm 1956 nach langjähriger Lehrauftragstätigkeit den neu errichteten missionswissenschaftlichen Lehrstuhl. Wenige Jahre später erhielten die jeweiligen Rektoren des Mutterhauses einen ständigen Lehrauftrag für Diakoniewissenschaft.
Die Satzung für die Augustana-Hochschule vom 26. Januar 1948 hielt den für Merz zentralen Gedanken der geistlichen und akade-mischen vita communis rechtlich fest und legte insbesondere auf die Einheit von Studentenschaft und Studentengemeinde Wert. Daher schrieb sie den Studenten den Verzicht auf die Bildung politischer und kirchenpolitischer Gruppen sowie auf studentische Korporationen vor, ohne damit jedoch die politische und theologische Meinungsvielfalt reglementieren zu wollen. Von den Dozenten verlangte sie hingegen die Bekenntnisbindung: Sie sollten ordinierte Geistliche des evang.-luth. Bekenntnisses sein.
Die Organe der Studentenschaft sind nach der Satzung von 1948 die "Studentenversammlung", das "Kapitel" und der "Senior", dem eine starke Stellung zukommt. Er und sein Konsenior werden für ein Semester gewählt. Der Senior beruft das Kapitel, eine Art Kabinett, dem neben Senior und Konsenior auch noch verschiedene andere studentische Funktionsträger angehören. Damit wurden für die Augustana-Hochschule dauerhafte, inzwischen vielfach bewährte Grundstrukturen der studentischen Selbstverwaltung geschaffen.
Das von Georg Merz der Augustana-Hochschule anvertraute Erbe bringt vielleicht der Immatrikulationsspruch am besten zum Ausdruck: "Wir wollen mit Eifer die Heilige Schrift lesen, uns in ihrem Verständnis üben und Gemeinschaft unter dem Worte Gottes halten und bewahren."
7. Die Ära Andersen: Kontinuität im Umbruch

- Unterricht in den 70er Jahren
Nachfolger von Georg Merz als Rektor (1957) und von Wilfried Joest als Systematiker (1956) wurde Wilhelm Andersen. Er leitete die Augustana-Hochschule 14 Jahre lang. In diesen Jahren wurden als Professoren berufen: Walter Rupprecht (1960, Praktische Theologie), Friedrich W. Kantzenbach (1958, Kirchengeschichte), Hans Schmoll (1962, Klassische Philologie), August Strobel (1965, Neues Testament) und Helmut Angermeyer (1967, Praktische Theologie).
Die engen personellen Verbindungen zwischen der Augustana-Hochschule und dem Pastoralkolleg gingen 1967 zu Ende, nachdem die Professoren noch bis in die 60er Jahre hinein bei den Pfarrerfort-bildungskursen mitgewirkt hatten. In rektoraler Eigenständigkeit wandelte sich wenig später das Profil des Pastoralkollegs: Man sah sein Ziel nicht mehr darin, die exegetischen und systematisch-theologischen Grundkenntnisse amtierender Pfarrerinnen und Pfarrer aufzufrischen, sondern stellte die Arbeit an der Person der Geistlichen in den Mittelpunkt.
Als Reaktion auf die Studentenunruhen des Jahres 1968 wurde eine Revision der bestehenden Hochschulordnung in Angriff genommen. Von den Universitäten kam die Forderung nach drittelparitätischer Mitbestimmung. Studenten und Studentinnen (die ersten Studentinnen schrieben sich zum Wintersemester 1954/55 ein), der sog. Mittelbau und die Ordinarien sollten in den Gremien einander gleichberechtigt gegenübersitzen. Diese Maximalforderung wurde in Neuendettelsau so wenig umgesetzt wie anderswo. Aber es wurde ein neues Hochschulorgan mit weitreichenden Kompetenzen geschaffen: das "Concilium" (heute: "Hochschulrat"). In ihm waren das gesamte Kapitel, die Mittelbaubank (Studentenpfarrer, Assistenten und ein Vertreter der Lehrbeauftragten) und die Hochschulprofessoren vertreten. Wenn auch die Conciliumsordnung den Professoren eine 50-Prozent-Mehrheit sicherte, waren doch die Möglichkeiten studentischer Mitbestimmung größer geworden.
8. Das Wechselrektorat: Leben in Beziehungen

- Lesesaal der Bibliothek
Eine andere wesentliche Neuerung im Bereich der Hochschulordnung war die Einführung des Wechselrektorats zum Wintersemester 1971/72. Die immer aufwendigeren Rektoratsgeschäfte, aber auch eine neue Sensibilisierung für Machtpositionen veranlassten das Dozentenkollegium zu einer Demokratisierung dieses Amtes. Das Wechselrektorat wurde zusammen mit der Conciliumsordnung zum Wintersemester 1971/72 rechtskräftig.
In den 70er Jahren wurden die Außenbeziehungen systematisch ausgebaut. Seit 1974 ist die Augustana-Hochschule durch ihren Rektor in der Westdeutschen Rektorenkonferenz vertreten, seit 1979 ist sie Mitglied des Evangelisch-Theologischen Fakultätentages.
Die ersten Kontakte zu anderen Hochschulen und Gemeinden ergaben sich schon bald nach der Gründung. Traditionell gute Beziehungen bestehen zum katholischen Pendant der Augustana-Hochschule, der philosophisch-theologischen Hochschule in Eichstätt (heute: Theologische Fakultät der Katholischen Universität). Bis zur "Wende" 1989 pflegten vor allem die Studierenden eine zeitweise intensive Paten- bzw. Partnerschaft mit der Evangelischen Studentengemeinde in Erfurt. Von 1972 bis 1981 bzw. 1985 waren zwei Bildungseinrichtungen auf dem Campus untergebracht, die zwar das akademische und geistliche Leben in vieler Hinsicht bereicherten, aber die Hochschule über die Kapazitätsgrenze führten: das Neuendettelsauer Pfarrseminar für Spätberufene und die Neuendettelsauer Abteilung des Fachhochschulstudiengangs für Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit.
Ausländische Studierende waren schon früh feste Mitglieder der Campus-Familie. Zu ihnen zählten meist ein bis zwei Studenten der Gemeindefakultät Oslo, mit der die Augustana-Hochschule schon früh freundschaftlich verbunden war. Gaststudenten und -studentinnen gab es immer wieder aus den USA, eine Zeitlang vom Texas Lutheran College, Anfang der 80er Jahre entwickelte sich eine Partnerschaft mit dem Wartburg-Seminary in Dubuque, Iowa. Die Beziehung wird bis heute gepflegt. Einen Austausch von Studierenden gibt es außerdem mit der Theologischen Hochschule in Makumira (Tansania), mit dem Martin-Luther-Seminary in Lae (Papua-Neuguinea) und mit der Escola Superior de Teologia in S‹o Leopoldo (Brasilien). Die 1981 gegründete "Gesellschaft der Freundinnen und Freunde der Augustana-Hochschule e.V." bietet ein Forum der Begegnung mit den ehemaligen Studierenden.
9. Der Ausbau von Forschung und Lehre

- Diskussion unter Studierenden
Mitte der 70er Jahre avancierte die Evangelische Theologie zum "Massenfach" mit rapide ansteigenden Studierendenzahlen. Im Wintersemester 1975/76 musste erstmals ein Verfahren zur Studienplatzvergabe beschlossen werden. Neue Professoren begannen ihre Arbeit an der Hochschule: Herwig Wagner (1972, Missionstheologie, Religionswissenschaft), Horst Dietrich Preuß (1973, Altes Testament), Joachim Track (1976, Systematische Theologie, Philosophie) und Richard Riess (1979, Praktische Theologie). Zu Beginn der 80er Jahre kamen außerdem Hans Schneider (1982, Kirchengeschichte) und Wolfgang Stegemann (1984, Neues Testament).
Für die Augustana-Hochschule stellte sich die Aufgabe, die faktische Angleichung an die staatlichen Fakultäten zu bejahen und zugleich Charme und Chancen eines intensiven Campuslebens abseits der Massenuniversitäten zu bewahren. Nachdem der Hochschule schon 1973 das Recht zu Promotionen in Verbindung mit den theologischen Fakultäten in Erlangen und München zugesprochen worden war, erhielt sie 1990 auf Beschluss des Bayerischen Landtags auch das eigenständige Promotions- und Habilitationsrecht. Im Wintersemester 1991/92 wurden die ersten Promotionsverfahren abgeschlossen, im Wintersemester 1993/94 erstmals die Ehrendoktorwürde an Wilfried Joest und Walter Burkert verliehen.
Begleitet wurde diese Entwicklung von einem neuerlichen Wechsel im Lehrkörper. Als Hochschullehrer traten in den Kreis der Professoren: Wolfgang Sommer (1988, Kirchengeschichte), Helmut Utzschneider (1992, Altes Testament) und Dieter Becker (1993, Missionstheologie, Religionswissenschaft). Überlegungen zum künftigen Profil der Hochschule führten schließlich dazu, zwei weitere Lehrstellen an der Augustana-Hochschule einzurichten: den Lehrstuhl für Philosophie, auf den 1995 Peter L. Oesterreich berufen wurde, und die Dozentur für Theologische Frauenforschung/Feministische Theologie, die seit 1997 von Renate Jost wahrgenommen wird; im Jahre 2003 wurde die Dozentur in eine Professur umgewandelt. Auf dem Lehrstuhl für Praktische Theologie folgte im Jahre 2003 Klaus Raschzok seinem Lehrer Richard Riess, auf dem Lehrstuhl für Kirchengeschite trat im Jahre 2005 Gury Schneider-Ludorff die Nachfolge von Wolfgang Sommer an.
Das Periodikum "Theologische Akzente" (Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart) versammelt seit 1996 Aufsätze der Dozierenden zu gemeinsamen Forschungsthemen und dokumentiert damit den personellen Ausbau von Forschung und Lehre auch 'nach außen'.
10. Ehrenpromotionen
An der Augustana-Hochschule wurden bisher elf Personen für ihr herausragendes Lebenswerk in Wissenschaft und Kirche, Literatur und Theologie mit dem Ehrendoktorat ausgezeichnet. Weitere Informationen enhält der Link zu folgender Übersicht
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